Und plötzlich war da ein Husky... (Maico Schulz)

    “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?” (Maico Schulz)

    Canidare Philosophie (Elke Landrock)

    Der Traum des Schlittenhundes (Sabine Kemper)

    Man sagt, ein klein wenig Hund steckt in jedem Husky.



    Und plötzlich war da ein Husky...
    (Eine ziemlich subjektive Lobpreisung an den Tollsten aller Hunde)
    von Maico Schulz April 2000

    ...Huskies sind keine normalen Hunde. Das einzige was sie mit normalen Hunden gemeinsam haben, ist eine gewisse anatomische Ähnlichkeit. Das ist aber auch schon alles. Wirklich alles. Damit fangen schon die Probleme an. Suchen Sie mal einen Hunderatgeber für Huskies! Na? Eben! Genau da ist das Problem. Sie finden es nicht im Hundebuchregal. Steht da doch was: Finger weg! Dieser Laden hat keine Ahnung. Bücher über Huskies stehen prinzipiell in dem edelsten Regal aller Regale, neben Werken von Goethe, Gogol und Zimen. Manche – sehr praxisnahe Bücher finden Sie auch bei den Kochbüchern; Iiwoo, nicht Sie sollen den Husky essen, nein, Sie sollen ihn ja artgerecht verpflegen. Genau, Sie haben vollkommen richtig gelesen: Verpflegen! Huskies füttert man nicht einfach, denn...

    ...Huskies – man kann es einfach nicht genug sagen – sind keine normale Hunde. Glauben Sie nicht? Hehe, Sie haben einfach noch keinen. Hätten Sie einen, würden Sie nur noch eifrig nicken und Ihren Husky knuddeln. Falls Sie überhaupt noch Interesse am normalen menschlichen Leben haben. Es gibt nämlich gewisse Kennzeichen, die Huskyhalter irgendwie zu einer Schicksalsgemeinschaft zusammenschmiedet:

      - das beseelte Wissen, seinem Husky alles, aber auch alles durchgehen zu lassen, denn wer könnte diesen Mandelaugen jemals böse sein?
      - Seinem Husky alles, aber auch alles an lustigen Spielsachen zu kaufen, auch wenn der Gerichtsvollzieher täglich Ihre Klingel benutzt
      - Eine gewisse, vielleicht geringschätzige, vielleicht auch arrogante Blickart auf nicht-Nordische Hunde.
      - Sucht! Es bleibt nicht bei einem.
    Keine Angst, das ist noch lange nicht alles, denn...

    ...Huskies, die sagenhaftesten aller Vierbeiner, krempeln Ihr Leben um. Oh ja... Sie werden plötzlich auch bei +5°C schwitzen, Ihnen kommt der Winter zu kurz vor, Sie werden sportlicher als Sie es je in Ihrem Leben waren, Ihr Schuhverschleiß macht Sie zu gern gesehenen Kunden im Schuhladen, Ihnen kullern unbeherrscht Freudentränen aus den Augen bei den Worten: Arktis, Sibirien, Grönland, Yukon, Nome, Iditarod, Quest, Mushing, Samojeden, Tschuschken, Kamtschatka, Norden. Sie fahren Hunderte von Kilometern, nur um ein Schlittenhundrennen zu sehen oder mitzufahren, Sie fahren Geländewagen, ...
    ...machen Sie sich nichts draus, denn...

    ...Huskyhalter, Musher genannt, haben eh Frieden mit der lapidaren Welt der 08/15 Hundehalter geschlossen. Ja, Musher zeichnet ein zufriedenes Lächeln und Wissen aus, das sie überall und jederzeit gewinnbringend einsetzen. Stehen Sie im Stau? Augen schließen und sich vorstellen, man stünde auf einem Schlitten und sause durch eine eisige Landschaft. Ja, stellen Sie nur die Klimaanlage auf –20°C. Schließlich sind Sie Musher. Und nix, aber auch rein gar nix erschüttert Sie, denn Sie haben daheim Freunde auf vier Pfoten, die Sie nie im Stich lassen. Das bezieht sich weniger auf Wachhund – sowas Profanes käme dem grundpazifistischen Husky nie in den Sinn - das bezieht sich auf den unerschütterlichen Willen Ihres Huskies, mit Ihnen das Bett zu teilen. Aber als Musher legen Sie sich auch gern auf die Couch, wenn im Bett kein Platz mehr ist. Tun Sie es! Schließlich haben Sie keinen 08/15 Hund! Denn...

    ...wenn Sie das erstemal im Winter im Zelt aufwachen, sich Ihre Hunde an Sie schmiegen und Ihnen dank dieser (göttlichen) Wärmequelle die eisige Nacht wie eine Sommernacht auf den Bahamas vorkam, dulden Sie Ihre Huskies, huldigen Sie ihnen. Wenn das freudige Schwanzwedeln im Zelt gleichzeitig mit einer Gesichtsreinigung via Abschlabbern gekoppelt wird, wissen Sie erst wahre Freundschaft zu schätzen. Und Sie lernen motorisches Können: Gleichzeitiges Huskyknuddeln und Teekochen! Das schult für’s Leben...

    ...fangen wir mal mit dem Kapitel Geduld an. Jaja, man muß schon die Nerven für 57x”Sitz” Befehl aufsagen haben. Aber sehen Sie dann die Freude in den Augen Ihres Huskies, wenn Sie entnervt und müde vor ihm zusammensacken und er sich dann [“Oh, Boss setzt sich! Mach ich auch!”] mit Ihnen auf den Boden setzt? Oder wenn er Ihr hilfloses Geschrei als Ansporn interpretiert und Sie ganz neue, schmerzhaft-interessante Kenntnisse mit dem Waldboden, mit Ästen und Baumstümpfen machen? So als Treibanker hilflos am Bauchgurt baumelnd, mit einem nach Wild jagenden Husky vorneweg? Ihr Husky, der halt ihr Geschrei als [“Hm, mein Boss hat Hunger! Ich fange ihm das Reh. Schließlich verpflegt er mich auch immer...”] interpretiert? Sie brauchen Nerven, aber die haben Sie! Was sind schon satte Fell-Schlamm-Zecken-Brocken, die Ihr treuer Vierbeiner in Ihrem noch einzig als wohnbar zu bezeichnenden Wohnraum von sich schleudert? Und ist es nicht schön, wie Ihr lieber, lieber Husky Ihnen aus Ihrem Daunenkissen eine weiße “Winterlandschaft” zaubert? [“Mein Boss freut sich aber, kuck mal an: Er weint ja schon vor Rührung!”] Kurzum: Sie haben einen Husky! Was um alles in dieser Welt wollen Sie denn noch?

    “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?”
    (Einige Gründe, warum Huskies ideale Hunde für den Winter sind.)
    von Maico Schulz, April 2000

    Wissen Sie, warum Musher in Alaska bewaffnet sind? Sagen Sie nicht, jaja, wegen dem Wild. Das nicht...

    Wenn man seine Hunde einige Jahre hat, dann werden die üblichen Fragen von zufällig passierten Spaziergängern der Marke: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?” mit immer phantasievolleren Sprüchen beantwortet. Früher, ja da sagte ich stolz: “Klar!” und tätschelte stolz Leonids Kopf. Das macht man die ersten 20male, weil man ja ein freundlicher Mensch ist.

    Etwas ärgerlicher ist das aber schon, wenn man gerade ein Krafttraining mit seinen Hunden macht. Wenn dann die Frage: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?” noch mit einem “Jetzt sagen Sie mal, ich dachte, die ziehen Schlitten. Warum ziehen die denn gerade einen Autoreifen?”” gekoppelt wird, dann ist man trotz aller Freundlichkeit geneigt, eher wirsch auf den nicht vorhandenen Schnee und den Matsch um einen zu verweisen. Aber nein, man bleibt freundlich und tätschelt Leonids Kopf und sagt: “Klar!” Darauf bekommt man meist ziemlich verwirrte Blicke entgegen gebracht und man merkt, das man manchmal auch Floskeln überdenken sollte. Also korrigiert man sich, tätschelt Aishas Kopf und sagt: “Ei, das ist ein Krafttraining!”

    Manchmal wird es blanker Terror: Man hat seine Hunde gerade 400m rennen lassen, beide kommen gerade in ihren Trott und man beginnt, sich auf seinem Trainingsgefährt gemütlich zu stellen, und dann muß man in die Eisen, weil ein (raten’se mal) Spaziergänger mitten im Weg steht und fragt: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?”. Zähneknirschend murmelt man dann etwas, was kein weiterer Mensch hören sollte und sagt danach betont freundlich: “Ei, das ist ein Krafttraining!” Just ausgesprochen, schüttelt man den Kopf und sagt (innerlich Floskeln verfluchend) “Klar!” Man setzt zum Weiterfahren an und prompt kommt die Gegenfrage: “Ei, woher haben die eigentlich diese Kraft?” Die ganz persönliche Gewitterwolke über dem Kopf blitzt und grollt, und freundlich erzählt man vom Autoreifen. Nach etlichen Minuten kommt man dann endlich zum verdienten Mushing...

    Schnee liegt, die Pulka ist beladen, die Hunde eingeschirrt, die Ski an den Füßen, ich gleite durch die wundervolle Landschaft aus Eis und Schnee. Plötzlich höre ich hinter mir: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?” Mein Herz rast. In Panik drehe ich mich um, und hinter mir fährt urplötzlich ein Langläufer, freundlich lächelnd und eben diese Frage stellend...

    Antwort gibt es keine, denn innerhalb von Sekunden bemerke ich, das ich bei voller Fahrt gerade im Sturz begriffen bin und mich von einem stolzen Musher zu einem effektiven Schneepflug verwandle. Nach 20m komme ich zum Stehen, rappele mich auf und hangele mich zu meinen beiden freudig wedelnden Hunden. Der Langläufer von eben lacht mitleidig und geht von dannen.. Ich tätschele Leonid und Aisha und meine nur: “Was habe ich nur dieser Welt getan?”

    Es liegt leider selten Schnee, und so bin ich langsam auf den Geschmack von mehrtägigen Ausflügen mit meinen Hunden gekommen, so romantisch mit Packtasche und Rucksack, Zelt und Kocher. So tippeln wir durch wundervolle Landschaften, meine beiden mit Packtaschen bewehrten Hunde am Bauchgurt, der Rucksack auf dem Rücken und ein mit allerlei Utensilien bestückter Gurt über dem Bauchgurt. Irgendwann komme ich zu einer kleinen Schutzhütte, wo zufälligerweise schon ein paar Leute verweilen. Ich also stoße in diese Gruppe, und anstelle eines “Hallos” kommt garantiert die Frage: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?” Ich will was sagen, aber schon kommt eine Gegenfrage, warum die denn Packtaschen tragen. Warum die keinen Schlitten ziehen. Ich setze meine freundliche Maske auf, beantworte brav alle Fragen, bereite einen kleinen Stake-Out vor, tätschele meine Hunde, lade das gesamte Gepäck aus, Leonid läßt sich inzwischen von der Versammlung herzlich abknuddeln, Aisha sagt zu keinem Wursthappen “Nein”, um dann einige Minuten zu warten, bis sich dieser Pulk auf seine weitere Wanderung begibt und ich “wildcampen” kann. Aus den Minuten werden Stunden, Stunden wo ich mir Geschichten von Fiffi und Hasso anhöre, von Gehorsam und Disziplin. Dankenswerterweise weiß weder Aisha noch Leonid in diesem Moment mit dem Wort “Sitz” was anzufangen, und hätten die Leute Papier und Stift, hätte ich innerhalb weniger Minuten etliche Adressen von Hundeschulen bekommen. Denn ein freundliches: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder?” bedeutet noch lange nicht, das man deswegen alles andere auch nicht wüsste...

    Ich gehe jetzt persönlich auch auf Rache. Neulich – trotz innerlicher Skrupel und Mitleids – traf ich allein auf eine junge Frau mit einem jungen Siberian Husky, und ich konnte es mir nicht verkneifen: “Sagen Sie mal, das sind doch Huskies, oder? Ist es denen nicht zu warm? Fahren Sie Schlitten?”. Die junge Frau hatte anscheinend noch keine meiner Erfahrungen gemacht und antwortete freundlich: “Jaja, das ist ein Husky. Schlitten fahre ich nicht...”

    Canidare Philosophie
    Elke Landrock, Sinn

    zur Frage: Warum hat der Hund die Straße überquert? Zur überaus bedeutsamen Frage "Warum hat der Hund die Straße überquert?", erhielten wir folgende Antworten:

    Plato: Für ein bedeutenderes Gut.

    Aristoteles: Es ist die Natur von Hunden, Straßen zu überqueren.

    Karl Marx: Es war historisch unvermeidlich.

    Saddam Hussein: Dies war ein unprovozierter Akt der Rebellion und wir hatten jedes Recht, 50 Tonnen Nervengas auf diesen Hund zu feuern.

    Captain James T. Kirk: Um dahin zu gehen, wo noch kein Hund vorher war.

    Hippokrates: Wegen eines Überschusses an Trägheit in seiner Bauchspeicheldrüse.

    Martin Luther King Jr.: Ich sehe eine Welt, in der alle Hunde frei sein werden, Straßen zu überqueren, ohne daß ihre Motive in Frage gestellt werden.

    Moses: Und Gott kam vom Himmel herunter und er sprach zu dem Hund: "Du sollst die Straße überqueren". Und der Hund überquerte die Straße und es gab großes Frohlocken.

    Fox Mulder: Sie haben den Hund mit ihren eigenen Augen die Straße überqueren sehen! Wieviel Hunde müssen noch die Straße überqueren, bevor Sie es glauben?

    Dana Scully: Es war ein einfacher Biomechanischer Reflex, der häufig bei Hunden auftritt.

    Freud: Die Tatsache, daß Sie sich überhaupt mit der Frage beschäftigen, daß der Hund die Straße überquerte, offenbart Ihre unterschwellige sexuelle Unsicherheit.

    Bill Gates: Ich habe gerade den neuen Hund Office 2000 herausgebracht, der nicht nur die Straße überqueren, sondern auch Zeitung holen, wichtige Dokumente verwalten und Ihren Kontostand ausgleichen kann.

    Darwin: Hunde wurden über eine große Zeitspanne von der Natur in der Art ausgewählt, daß sie jetzt genetisch bereit sind, Straßen zu überqueren.

    Einstein: Ob der Hund die Straße überquert hat oder die Straße sich unter dem Hund bewegte, hängt von ihrem Inertialsystem ab.

    Buddha: Mit dieser Frage verleugnest du deine eigene Hundenatur.

    Bill Clinton: Ich war zu keiner Zeit mit diesem Hund allein.

    Opa: Als ich jung war, fragten wir nicht warum der Hund die Straße überquerte. Jemand sagte uns, dass Hunde die Straße überqueren und das war alles, was wir wissen mußten!

    SIEMENS Forschung: Der Hund nutzte im Rahmen unseres IntuitiveUse-Modells die ihm bereitgestellte Möglichkeit, per AutoCrossing seinen Straßenrand-Kontext zu wechseln. Die Tatsache, daß er mitten auf der Straße plattgefahren wurde und deshalb den anderen Straßenrand nicht erreichen konnte, ist uns seit längerem bekannt und zur Verbesserung weitergeleitet worden - es ist daher kein Bug, sondern nur eine Funktionsunschönheit.

    Andersen Consulting: Deregulierung auf der Straßenseite des Hundes bedrohte seine dominante Marktposition. Der Hund sah sich signifikanten Herausforderungen gegenüber, die Kompetenzen zu entwickeln, die erforderlich sind, um in den neuen Wettbewerbsmärkten bestehen zu können. In einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit dem Klienten hat Andersen Consulting dem Hund geholfen, eine physische Distributionsstrategie und Umsetzungsprozesse zu überdenken. Unter Verwendung des Caniden-Integrationsmodells (CIM) hat Andersen dem Hund geholfen, seine Fähigkeiten, Methodologien, Wissen, Kapital und Erfahrung einzusetzen, um die Mitarbeiter, Prozesse und Technologien des Hundes für die Unterstützung seiner Gesamtstrategie innerhalb des Programm-Managementrahmens auszurichten. Andersen Consulting zog ein diverses Cross-Spektrum von Straßen-Analysten und besten Hunden, sowie Andersen-Beratern mit breitgefächerten Erfahrungen in der Transportindustrie heran, die in 2tägigen Besprechungen ihr persönliches Wissenskapital, sowohl stillschweigen als auch deutlich, auf ein gemeinsames Niveau brachten und die Synergien herstellten, um das unbedingte Ziel zu erreichen, nämlich die Erarbeitung und Umsetzung eines unternehmensweiten Werterahmens innerhalb des mittleren Canidaren Prozesses. Die Besprechungen fanden in einer parkähnlichen Umgebung statt, die auf Strategien basiert, auf die die Industrie forkussiert ist und auf eine konsistente, klare und einzigartige Marktaussage hinausläuft. Andersen Consulting hat dem Hund geholfen, sich zu verändern, um erfolgreicher zu werden.

    Der Traum des Schlittenhundes
    Sabine Kemper, 1999

    Sie wollen also ein Schlittenhund werden!?" Papenheim saß hinter seinem großen Schreibtisch, strich sich über seinen Schnauzbart und blickte sein Gegenüber unverwandt an.

    "Sie verstehen mich miß!" Digger schüttelte den Kopf. "Ich BIN ein Schlittenhund!"

    Papenheim beugte sich etwas vor und zog die Augenbrauen hoch. "Dann zeigen sie mir doch einmal ihre Papiere."

    Digger rutschte verlegen auf seinem Stuhl hin und her. "Ich habe doch schon gesagt, daß ich keine Papiere habe." Und etwas selbstbewußter fügte er hinzu: "Aber was sagt denn das über meine Qualitäten als Schlittenhund aus?"

    "Oh!" Papenheim lehnte sich wieder in seinem Sessel zurück. "Eine ganze Menge, mein junger Freund. - Haben sie denn schon einmal in diesem Job gearbeitet?"

    "Klar! Ich bin in verschiedenen Teams gelaufen und ..."

    "Sind sie in diesem Beruf ausgebildet?" unterbrach ihn sein Gegenüber. "Nein, ich - äh..." Digger legte die Ohren etwas an. "Ich war..."

    "Hilfsarbeiter also!" schnaufte Papenheim.

    Digger schaute verlegen auf seine Pfoten. "Es ist nicht so, wie sie denken." Versuchte er es erneut. "Meine Mutter hat viele Preise gewonnen und stammt aus einer alten Familie von Sibirien Huskies."

    Papenheim blätterte in der Akte, die vor ihm auf dem Schreibtisch lag. "Und ihr Vater?" fragte er wie beiläufig.

    "Äh - der war ..." Digger schluckte. "Der war in Pflege bei den Menschen meiner Mutter..."

    "Ach?!" Wieder zog Papenheim seine Augenbrauen hoch. "Und von ihrem Vater haben sie wohl auch ihre Tupfen, wie?" Ärgerlich stützte er sich mit den Händen auf dem Schreibtisch ab und beugte sich Digger entgegen, so daß dieser ein Stück zurückwich. "Sie sehen aus wie ein Dalmatiner, Mann!" brüllte er und ließ sich dann wieder schnaufend in seinen Sessel zurückfallen.

    "Ich bin ein Pinto." Wagte Digger einzuwenden. "Die sind sehr selten und..."

    "Papperlapapp!" Papenheim schnaufte wieder. "Karierte Gänseblümchen sind auch selten und das gibt ihnen immer noch nicht die Qualifikation, als Rose zu fungieren."

    "Aber ich BIN ein Schlittenhund!" begehrte Digger auf. "So glauben sie mir doch endlich."

    "Wie steht es mit ihrem Lebenslauf?"

    Digger deutete mit der Schnauze auf die Akte, die auf dem Schreibtisch ruhte. "Meine Bewerbungsunterlagen liegen ihnen bereits vor."

    Mit steil aufgerichteten Augenbrauen zog Papenheim ein Blatt Papier aus einer Klarsichthülle und lehnte sich zurück. "So, so! - Sie haben also ein Jahr in einem Heim gelebt..."

    "Unverschuldet!" versicherte Digger schnell. "Meine ersten Menschen waren sehr nett, aber leider nicht in der Lage, mich artgerecht unterzubringen..."

    "...dann sind sie in einer anderen Familie gewesen und konnten oder wollten sich dort nicht anpassen..."

    "Sie hatten eine Katze..."

    "Sie HATTEN eine Katze, ja..." Papenheim schüttelte ärgerlich den Kopf. "Sie scheinen nicht sonderlich anpassungsfähig zu sein!" und ohne eine Antwort abzuwarten fuhr er fort: "Danach waren sie im Heim, bis sie zu einem Musher gekommen sind?"

    "Ja!" seufzte Digger. "Er wollte mich zum Leader ausbilden, - Leithund, wenn sie verstehen..." Sein Blick schweifte verträumt in die Ferne. "Es war wunderbar..."

    "Und warum hat das nicht geklappt?"

    "Ich bin Rechts-Links-Verwechsler." Murmelte Digger kaum hörbar.

    "Na wunderbar!" Papenheim klatschte fast vergnügt in die Hände. "Ein Rechts-Links-Verwechsler als Leader. Darauf hat die Welt gewartet!"

    "Ich bin aber auch in anderen Positionen gelaufen!" versicherte Digger. "Ich war auch Wheeler!"

    "Hören sie, Digger!" Fast väterlich schaute Papenheim auf ihn herab. "Machen sie sich doch nichts vor. Sie möchten gerne ein Schlittenhund sein, haben aber nicht die Qualitäten dazu. - Wir werden jetzt einmal schauen, was wir ihnen anbieten können..." Er griff hinter sich, zog einen weiteren Ordner aus dem Regal und schlug ihn auf. "Hier haben wir doch schon etwas für sie." Er blickte auf und verzog seinen Mund zu einem grinsen. "Ich könnte ihnen einen Teilzeitjob im Versuchslabor anbieten. Es wäre zwar nicht für lange..."

    "Bitte?" Digger schüttelte den Kopf, daß ihm die Ohren schlackerten. "Das kann doch nicht ihr Ernst sein, oder?"

    "Na gut!" lenkte Papenheim ein. "Etwas anderes..." Versonnen blätterte er in der Akte, bis sein Blick schließlich an einer Seite hängenblieb. "Das ist doch etwas: Ab nächsten Monat läuft eine Umschulungsmaßnahme zum Seehund..."

    Digger sträubte sich das Fell. "Aber ich bitte sie! Sehe ich aus, als würde ich freiwillig ins Wasser gehen?"

    "Ts! - Also ein wenig Anpassungsfähigkeit sollten sie schon zeigen, wenn sie einen Job haben wollen..."

    "Aber ich bin doch ein Schlittenhund..." murmelte Digger traurig und ließ die Ohren hängen.

    Papenheim schlug mit der Faust auf den Schreibtisch. "Zum Donnerwetter noch mal, jetzt begreifen sie doch endlich, daß ich sie nicht vermitteln kann!" Mit hochrotem Gesicht zupfte er an seiner Krawatte. "Sie haben Tupfen, Schlappohren, keine Papiere, sind Rechts-Links-Verwechsler und womöglich auch noch viel zu langsam."

    "Meine Mutter pflegte immer zu sagen," seufzte Digger mit glasigen Augen, "wenn die Menschen schnell fahren wollen, sollen sie sich einen Motorschlitten kaufen." Er blickte Papenheim verträumt an. "Wissen sie eigentlich, wie es ist, durch einen tief verschneiten Wald zu laufen? Nur das leichte Scharren der Kufen und das Hecheln des Nachbarn in den Ohren... - Mutter erzählte mir von Alaska..."

    Papenheim schlug mit einem Knall den Ordner zu, so daß Digger erschreckt hochfuhr. "Wissen sie was?" schnaufte er.

    "Nein!?"

    "Zwei Blocks weiter, Zimmer 215! Dort können sie einen Ausreiseantrag stellen. Auf Hunde wie sie können wir hier wahrlich verzichten. - Und jetzt entschuldigen sie mich. Es gibt schließlich noch Arbeitswillige, die meiner Hilfe bedürfen."

    Digger verließ das Büro und als er auf die Straße trat, atmete er tief durch. Es hatte angefangen, zu schneien. Fast vergnügt schnappte er nach ein paar Schneeflocken, die vorwitzig um seine Nase tanzten und machte sich schließlich auf den Weg. Auf den Weg nach Alaska.

    Man sagt, ein klein wenig Hund steckt in jedem Husky.

    Verfasser leider unbekannt

    Fragt sich nur, wo genau dieses Stückchen Hund wohl stecken mag. Huskys bellen eher selten, doch sie heulen, mit Hingabe. Schützen und Bewachen sind instinktive Verhalten eines Hundes. Dein Nordischer findet selbst einen Einbrecher sympathisch. Und versuche mal "bei Fuß". Wir sprechen hier von einem Schlittenhund!

    Erwarte ruhig die Pfote an der Stirn.

    Ein Husky ohne Leine ist in der Regel weit vor dieser Staubwolke, der Du gerade folgst. Renne nicht hinterher. Es ist zwecklos, 2fast4you. Mach Dich besser auf einen längeren Aufenthalt im Freien an exakt dieser Stelle gefasst. Sichelschwanz kommt wieder, irgendwann. Normalerweise! Denke aber auch an die Herrschaften mit der Schrotflinte. Die mögen keine Konkurrenz im Revier.

    Vielleicht läßt Du den Karabiner doch besser eingehakt ?

    Sitz, Platz - kein Problem, vorausgesetzt die Beute stimmt. "Hier, hierhin, komm hierher, wirst du wohl sofort hierher kommen?" Jetzt hast Du ein Problem. Hättest Du einen Hund, wäre das Tier umgehend bei Dir. Du aber wolltest ja einen Husky. Mache Dich also bitte nicht zum Gespött der Leute. Lasse das Getue, wenn die Nase Deines Energiebündels gerade akribisch den Boden inspiziert oder seine extrem aufrechte Haltung Böses ahnen lässt. Im letzteren Fall greife - wenn möglich, weil gerade zufällig in der Nähe - sofort ins Geschirr oder Halsband. Sonst stehst Du Sekunden später allein da - und dann, siehe "Husky ohne Leine".

    Und noch etwas, schreie deinen Husky niemals an.

    Du hast ein hochintelligentes und sehr sensibles Lebewesen vor Dir, das ausgezeichnet hören kann! - Die Betonung liegt auf kann. Schreien bewirkt rein gar nichts, Du ruinierst lediglich Deine Stimme und das Fitzelchen mühsam erworbene Autorität. Sehr viel Respekt kannst Du von den Nordischen ohnehin kaum erwarten, also setze das Wenige nicht auch noch auf's Spiel.

    Angeleint wirst Du mit ganz anderen Herausforderungen konforntiert.

    Schlittenhunde ziehen, und zwar ordentlich. Spazieren gehen trifft den Ausflug mit Deinem Husky keinesfalls. Du wirst ausgesprochen zügig unterwegs sein, im wahrsten Sinn des Wortes. Vermeide unbedingt Begegnungen mit Hühnern, Schafen, Katzen, Hasen…
    Und besorge Dir gute Schuhe, damit Du einen festen Stand hast, falls Du doch auf Hühner, Schafe, Katzen oder Hasen treffen solltest.

    Wo also ist er, der Hund im Husky? Schaue genau hin! War da nicht gerade so ein gefährlich faszinierendes Funkeln in diesen unglaublich leuchtenden Augen? Ist es vielleicht doch eher der Wolf im Husky, der Dich mit hypnotischem Blick in seinen Bann zieht?


    Ganz sicher ist nur das Eine:

    Du hast einen Traumhund !




       

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